Du wünschst dir ein Baby – und möchtest möglichst gesund in die Schwangerschaft starten? Eine gute Vorbereitung bedeutet nicht, dass „alles perfekt“ sein muss. Viel wichtiger ist, dass du bestehende Erkrankungen, frühere Diagnosen und regelmäßige Medikamente rechtzeitig mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprichst. So lassen sich Risiken realistisch einschätzen, Behandlungen anpassen und Vorsorgemaßnahmen planen – damit du mit mehr Sicherheit und einem guten Gefühl in die Schwangerschaft gehen kannst.

Warum ein Gesundheits-Check vor der Schwangerschaft so wertvoll ist

Der Kinderwunsch ist für viele ein besonderer Moment – gleichzeitig wirft er praktische Fragen auf: Sind meine Medikamente in der Schwangerschaft geeignet? Muss ich bestimmte Werte kontrollieren lassen? Gibt es Impfungen, die ich auffrischen sollte? Und wie wirken sich bestehende Diagnosen wie Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck auf die Schwangerschaft aus?

Genau hier setzt die präkonzeptionelle Beratung (Beratung vor der Schwangerschaft) an. Ziel ist, gesundheitliche Risiken zu erkennen und zu reduzieren, noch bevor du schwanger bist. Besonders wichtig ist das, wenn du chronische Erkrankungen hast, regelmäßig Medikamente nimmst oder in der Vergangenheit Komplikationen erlebt hast. Im Sinne der Suchintention heißt das konkret: Vorerkrankungen vor Schwangerschaft besprechen – damit du nicht erst reagierst, wenn der positive Test schon da ist.

In Deutschland und Österreich bieten viele gynäkologische Praxen, hausärztliche Ordinationen sowie Spezialambulanzen (z. B. für Diabetologie, Endokrinologie oder Kardiologie) solche Checks an. Je nach Situation kann auch eine Überweisung in eine Pränatal- bzw. Risikosprechstunde sinnvoll sein.

Was du zum Termin mitbringen solltest: Vorbereitung in 10 Minuten

Damit deine Ärztin schnell einen guten Überblick bekommt, hilft eine kleine Liste. Du musst nichts „auswendig“ wissen – aber strukturierte Infos sparen Zeit und verhindern Lücken.

  • Medikamentenliste (inkl. Dosierung, auch „pflanzlich“, Nahrungsergänzung, gelegentliche Mittel wie Schmerztabletten)
  • Diagnosen (auch ältere, z. B. Migräne, Depression, Schilddrüse, Allergien)
  • Vorbefunde (Laborwerte, Arztbriefe, OP-Berichte, Impfpass/Impfkarte)
  • Zyklusdaten (falls vorhanden) und Informationen zu Verhütung/Absetzen
  • Familienanamnese (z. B. Thrombosen, Diabetes, Herzkrankheiten, Erbkrankheiten)
  • Schwangerschaftsvorgeschichte (Fehlgeburten, Kaiserschnitt, Präeklampsie, Frühgeburt)

Wenn du unsicher bist, welche Punkte relevant sind: Lieber zu viel als zu wenig erwähnen. In der Beratung lässt sich dann gemeinsam priorisieren.

Diese Vorerkrankungen solltest du vor der Schwangerschaft gezielt ansprechen

Im Folgenden findest du die häufigsten Bereiche, bei denen eine frühzeitige Abstimmung besonders wichtig ist. Nicht jede Diagnose ist automatisch „riskant“. Oft geht es vielmehr darum, die Erkrankung gut einzustellen, Medikamente anzupassen und einen konkreten Plan für Kontrollen während der Schwangerschaft zu erstellen.

1) Stoffwechselerkrankungen: Diabetes, Insulinresistenz, Adipositas

Diabetes mellitus (Typ 1 oder Typ 2) beeinflusst den Schwangerschaftsverlauf stärker, wenn die Blutzuckerwerte schon zu Beginn ungünstig sind. Eine gute Einstellung vor der Empfängnis senkt das Risiko für Fehlbildungen, Fehlgeburt und Schwangerschaftskomplikationen deutlich.

Auch bei Insulinresistenz, Prädiabetes oder PCOS lohnt ein Gespräch über Stoffwechsel, Ernährung, Bewegung und ggf. Medikamente. Wenn du Übergewicht oder Adipositas hast, ist der Ton wichtig: Es geht nicht um Schuld, sondern um realistische Unterstützung (z. B. Nährstoffstatus, Blutdruck, Schlafapnoe, Gewichtsentwicklung, individuelle Ziele).

Was ihr klären könnt:

  • Aktueller Langzeitwert (z. B. HbA1c) und Zielbereich vor Schwangerschaft
  • Umstellung/Anpassung von Antidiabetika (falls nötig)
  • Plan für Selbstmessungen, Ernährungstherapie, ggf. Diabetologin/Diabetologe
  • Folsäure in sinnvoller Dosierung und weitere Nährstoffe (abhängig von Risiko)

2) Schilddrüsenerkrankungen: Hashimoto, Hypothyreose, Hyperthyreose

Die Schilddrüse spielt in der Frühschwangerschaft eine zentrale Rolle, weil das Baby zunächst auf die mütterliche Hormonversorgung angewiesen ist. Bei Hashimoto-Thyreoiditis oder Unterfunktion kann eine unzureichende Einstellung die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und Risiken erhöhen. Bei Überfunktion ist zudem die Auswahl der Therapie in der Schwangerschaft besonders sensibel.

Besprecht vorab:

  • Aktuelle Werte (TSH, ggf. fT4/fT3) und Antikörper, falls relevant
  • Ob eine Dosisanpassung bei positivem Test sofort nötig ist
  • Wie engmaschig in den ersten Wochen kontrolliert werden sollte

Viele Frauen benötigen zu Beginn der Schwangerschaft rasch eine Anpassung – deshalb ist ein Plan vorab sehr hilfreich.

3) Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, Herzfehler, Rhythmusstörungen

Chronischer Bluthochdruck erhöht das Risiko für Präeklampsie, Plazentaprobleme und Wachstumsrestriktion. Gleichzeitig sind nicht alle Blutdruckmedikamente in der Schwangerschaft geeignet. Auch angeborene Herzfehler, Herzklappenerkrankungen oder Rhythmusstörungen sollten vorab kardiologisch eingeordnet werden – insbesondere, wenn du schon einmal Luftnot, Brustschmerzen oder Leistungsknick erlebt hast.

Wichtige Themen im Gespräch:

  • Blutdruck-Zielwerte und häusliches Monitoring
  • Medikamentencheck (Umstellung vor Schwangerschaft, wenn notwendig)
  • Abklärung von Nierenwerten/Urintests (z. B. Eiweiß im Urin als Ausgangswert)
  • Plan für Schwangerschaftskontrollen (ggf. in einer Spezialambulanz)

4) Gerinnungsstörungen und Thromboserisiko

Wenn du selbst bereits eine Thrombose oder Lungenembolie hattest, wenn es in deiner Familie gehäuft Thrombosen gab oder wenn eine Thrombophilie bekannt ist (z. B. Faktor-V-Leiden), ist eine frühzeitige Planung entscheidend. Schwangerschaft und Wochenbett erhöhen physiologisch die Gerinnungsneigung – bei zusätzlichem Risiko kann eine prophylaktische Behandlung notwendig sein.

Vorab klären:

  • Deine persönliche Vorgeschichte und familiäre Risiken
  • Ob/ welche Gerinnungsdiagnostik sinnvoll ist (individuelle Entscheidung)
  • Ob eine Heparin-Prophylaxe oder andere Maßnahmen geplant werden
  • Geburtsplanung (z. B. Timing rund um Medikamente)

5) Autoimmunerkrankungen: Rheuma, Lupus, MS, CED

Autoimmunerkrankungen sind vielfältig – und viele Frauen erleben mit guter Betreuung völlig unauffällige Schwangerschaften. Wichtig ist vor allem: Stabile Krankheitskontrolle vor der Empfängnis. Bei Erkrankungen wie systemischem Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis, Multiple Sklerose oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) hängt viel von Aktivität, Organbeteiligung und Medikation ab.

Das solltest du vorab besprechen:

  • Wie aktiv ist die Erkrankung aktuell? (Schubfreiheit als Ziel)
  • Medikamente: Welche sind schwangerschaftstauglich, welche nicht?
  • Welche Fachärztin/Facharzt soll mitbetreuen? (Rheumatologie, Neurologie, Gastroenterologie)
  • Welche Kontrollen sind in welchen Schwangerschaftswochen sinnvoll?

Wichtig: Setze Medikamente nicht eigenmächtig ab, sobald du schwanger werden möchtest. Ein unkontrollierter Schub kann riskanter sein als eine gut gewählte Therapie.

6) Nierenerkrankungen

Die Nieren leisten in der Schwangerschaft Mehrarbeit. Bei chronischer Nierenerkrankung, wiederkehrenden Harnwegsinfekten, Nierensteinen oder auffälligen Laborwerten ist eine Abklärung vorab sinnvoll. Auch Bluthochdruck und Nierenerkrankungen hängen oft zusammen.

  • Ausgangswerte: Kreatinin/eGFR, Urinstatus, ggf. Albumin/Protein
  • Blutdruck und Medikamente
  • Strategie bei Infekten (sichere Antibiotika, frühe Urinkontrollen)

7) Psychische Erkrankungen: Depression, Angst, bipolare Störung, ADHS

Psychische Gesundheit ist ein zentraler Teil der Vorbereitung. Wenn du eine Depression, Angststörung, Essstörung, bipolare Störung oder ADHS hast oder hattest, ist das kein Grund, den Kinderwunsch aufzuschieben – aber ein Grund, frühzeitig ein stabiles Netz zu planen.

Viele Psychopharmaka können – je nach Wirkstoff und Situation – weitergeführt oder umgestellt werden. Entscheidend ist die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Besprecht konkret:

  • Rückfallrisiko bei Absetzen vs. Vorteile stabiler Therapie
  • Medikamentenplan vor und in der Schwangerschaft (inkl. Stillzeit)
  • Psychotherapie, Krisenplan, Hebammen-/Beratungsangebote
  • Schlaf, Stress, soziale Unterstützung

In Deutschland und Österreich gibt es zudem regionale Angebote wie psychosoziale Beratungsstellen, Elternberatungen und spezialisierte Ambulanzen für Psychiatrie rund um Schwangerschaft und Wochenbett.

8) Neurologische Erkrankungen: Epilepsie, Migräne

Bei Epilepsie ist eine vorausschauende Planung essenziell, weil einige Antiepileptika in der Schwangerschaft problematisch sein können und weil Anfälle selbst Risiken bergen. Ziel ist meist eine stabile Anfallskontrolle mit möglichst risikoarmer Medikation und guter Betreuung durch Neurologie und Gynäkologie.

Migräne ist häufig. Viele Betroffene müssen in der Schwangerschaft ihre Akutmedikation anpassen. Auch hier ist ein Plan hilfreich: Was darfst du nehmen, was nicht – und welche nicht-medikamentösen Strategien funktionieren bei dir?

9) Infektionskrankheiten: HIV, Hepatitis, STI und chronische Infektionen

Chronische Infektionen oder sexuell übertragbare Infektionen (STI) sollten vor der Schwangerschaft angesprochen werden, damit Behandlung, Übertragungsrisiko und Monitoring geklärt sind. Das gilt insbesondere für HIV, Hepatitis B/C, Syphilis sowie wiederkehrende Infektionen.

Wichtige Punkte:

  • Aktuelle Viruslast/Status und Therapieplanung
  • Impfstatus (z. B. Hepatitis B) und Partner*innentestung, falls angezeigt
  • Strategien zur Senkung des Übertragungsrisikos

10) Gynäkologische Vorerkrankungen: Endometriose, Myome, PCOS, Zervix-OPs

Viele Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch oder frühe Komplikationen liegen im gynäkologischen Bereich. Dazu zählen Endometriose, Myome, PCOS, Verwachsungen, wiederkehrende Zysten oder frühere Eingriffe am Gebärmutterhals (z. B. Konisation).

Vorher besprechen lohnt sich, weil:

  • ggf. eine Zyklus- oder Eisprungdiagnostik sinnvoll ist
  • Behandlungen zeitlich geplant werden müssen (OP, Hormontherapie, Kinderwunschzentrum)
  • das Frühgeburtsrisiko nach bestimmten Zervix-Eingriffen anders bewertet werden kann

Wenn du schon länger als 12 Monate (unter 35) oder 6 Monate (ab 35) erfolglos versuchst schwanger zu werden, kann eine frühe Abklärung im Kinderwunschzentrum in Deutschland/Österreich sinnvoll sein.

11) Allergien, Asthma und chronische Lungenerkrankungen

Asthma ist gut behandelbar – und eine stabile Kontrolle ist in der Schwangerschaft wichtig, da Sauerstoffmangel für Mutter und Kind ungünstig ist. Viele Inhalationsmedikamente können weitergeführt werden. Bei starken Allergien (z. B. Heuschnupfen, atopische Dermatitis) lohnt ein Check der Akut- und Dauermedikation.

  • Asthmakontrolle, Peak-Flow, Notfallplan
  • Geeignete Allergiemedikamente und Alternativen
  • Umgang mit Infekten und Impfempfehlungen

12) Magen-Darm-Erkrankungen: Zöliakie, Reflux, Lebererkrankungen

Bei Zöliakie ist eine konsequent glutenfreie Ernährung wichtig, auch weil sie die Nährstoffaufnahme beeinflusst. Reflux ist häufig und lässt sich meist gut steuern. Bei Lebererkrankungen oder auffälligen Leberwerten sollte vorab geklärt werden, was dahintersteckt und welche Medikamente geeignet sind.

Medikamente, Nahrungsergänzung und „Pflanzliches“: Was unbedingt auf den Tisch gehört

Ein zentraler Punkt beim Thema Vorerkrankungen vor Schwangerschaft besprechen ist der Medikamentencheck. Viele Frauen unterschätzen, dass auch frei verkäufliche Mittel oder „natürliche“ Präparate Wirkungen haben können.

Besonders wichtig:

  • Dauermedikamente (Blutdruck, Schilddrüse, Psychiatrie, Epilepsie, Rheuma, Akne, etc.)
  • Akutmedikation (Schmerzmittel, Migränepräparate, Schlafmittel)
  • Nahrungsergänzung (hochdosiertes Vitamin A, Kräuterpräparate, „Detox“-Produkte)

Deine Ärztin kann prüfen, ob eine Umstellung vor der Schwangerschaft sinnvoll ist, um kritische Zeitfenster in den ersten Wochen zu vermeiden – denn viele Schwangerschaften werden erst bemerkt, wenn die Organentwicklung schon begonnen hat.

Impfstatus und Infektionsschutz: Was in Deutschland und Österreich meist empfohlen wird

Ein aktueller Impfschutz schützt dich und später auch dein Baby (Nestschutz). Vor der Schwangerschaft ist der beste Zeitpunkt, um Lücken zu schließen – vor allem bei Lebendimpfstoffen, die in der Schwangerschaft meist nicht gegeben werden.

Typische Themen für den Impfcheck:

  • Röteln (sehr wichtig; Immunität prüfen)
  • Varizellen (Windpocken) bei unklarem Status
  • Masern/Mumps/Röteln (MMR) gemäß Impfpass
  • Keuchhusten (Pertussis) – in der Schwangerschaft üblicherweise im 3. Trimenon, trotzdem Status vorher klären
  • Influenza (je nach Saison) und COVID-19 nach aktuellen Empfehlungen

Welche Impfungen in deinem Fall sinnvoll sind, hängt von Vorerkrankungen, Arbeitsplatz (z. B. Gesundheitswesen/Kita), Reiseplänen und Immunstatus ab.

Labor und Vorsorge vor der Schwangerschaft: Was häufig geprüft wird

Es gibt keine „eine Liste“, die für alle gilt – aber typische Bausteine sind:

  • Blutbild, Eisenstatus (z. B. Ferritin) bei Müdigkeit/Vegetarisch/Vegan
  • Schilddrüsenwerte bei Symptomen oder bekannter Diagnose
  • Blutzucker (Nüchternwert/HbA1c) bei Risiko oder Vorgeschichte
  • Vitamin D optional je nach Risikoprofil und Versorgung
  • Infektionsstatus je nach Situation (z. B. Röteln-Immunität)
  • Blutdruck, BMI, ggf. Nierenwerte/Urintest

Wichtig: Lass dich nicht von „Wunschlisten“ aus dem Internet stressen. Sinnvoll ist das, was zu deiner Geschichte passt.

Lebensstil-Faktoren, die mit Vorerkrankungen zusammenhängen

Lebensstil ist kein moralisches Thema, sondern ein medizinisches Werkzeug. Gerade wenn du Vorerkrankungen hast, kann eine realistische Anpassung viel bewirken – ohne dass du dein Leben komplett umkrempeln musst.

Ernährung: stabil, nährstoffreich, machbar

Eine gute Basis ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein, Ballaststoffen, gesunden Fetten sowie Obst und Gemüse. Bei bestimmten Diagnosen (z. B. Diabetes, CED, Zöliakie) braucht es individuellere Strategien.

  • Folsäure ist für die frühe Entwicklung wichtig. Die passende Dosierung hängt von Risiko und ärztlicher Empfehlung ab.
  • Jod kann sinnvoll sein, ist aber bei Schilddrüsenerkrankungen ein Thema für die Ärztin.
  • Omega-3 und Eisen sind je nach Ernährung und Blutwerten relevant.

Bewegung: Kreislauf, Stoffwechsel, Stressregulation

Regelmäßige moderate Bewegung kann Blutdruck und Blutzucker verbessern, Rückenschmerzen vorbeugen und Stress reduzieren. Bei Herz- oder Lungenerkrankungen sollte die Belastung individuell abgestimmt werden.

Alkohol, Nikotin, Cannabis

Wenn du schwanger werden möchtest, ist es sinnvoll, Alkohol und Nikotin zu reduzieren bzw. zu beenden – besonders bei Vorerkrankungen, die Gefäße, Leber oder Psyche betreffen. Falls dir das schwerfällt, sprich es offen an: In Deutschland und Österreich gibt es gute Unterstützungsangebote (Hausärztin/Hausarzt, Suchtberatung, Verhaltenstherapie).

Wenn du bereits Schwangerschaftskomplikationen hattest

Auch ohne klassische chronische Krankheit kann eine Vorgeschichte relevant sein. Falls du schon einmal eine Schwangerschaft erlebt hast, sind diese Punkte wichtig zu erwähnen:

  • Präeklampsie oder Schwangerschaftshochdruck
  • Gestationsdiabetes
  • Frühgeburt, vorzeitiger Blasensprung
  • Wachstumsverzögerung des Kindes
  • Fehlgeburten (einmalig oder wiederholt)
  • Komplikationen bei Geburt oder im Wochenbett (z. B. starke Blutung)

Mit diesen Informationen kann deine Ärztin einschätzen, ob zusätzliche Prophylaxen, engmaschigere Kontrollen oder eine Mitbetreuung in einer Spezialambulanz sinnvoll sind.

Genetik und Familienanamnese: Wann eine Beratung sinnvoll sein kann

Wenn in deiner Familie oder der deines Partners bestimmte Erkrankungen gehäuft auftreten (z. B. Stoffwechselkrankheiten, schwere Herzfehler, Muskelkrankheiten, geistige Behinderung unklarer Ursache), kann eine genetische Beratung helfen. Das gilt auch bei wiederholten Fehlgeburten oder wenn du dir aufgrund des Alters Sorgen machst.

In Deutschland und Österreich gibt es dafür spezialisierte Zentren. Ziel ist nicht, Angst zu machen, sondern Informationen und Optionen zu geben.

So läuft das Gespräch in der Praxis oft ab (und wie du dich wohlfühlst)

Viele Frauen sind unsicher, ob sie „übertreiben“, wenn sie lange Listen mitbringen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Ärztinnen sind froh, wenn Informationen strukturiert sind. Du kannst das Gespräch so steuern:

  • Starte mit: „Ich plane eine Schwangerschaft und möchte meine gesundheitlichen Themen vorher sortieren.“
  • Dann: Diagnosen, Medikamente, Vorgeschichte
  • Am Ende: „Was ist der Plan bis zum positiven Test – und was direkt danach?“

Wenn du in Österreich bist: Viele Leistungen laufen über die Kassenordination/ÖGK bzw. Fachärzt*innen; zusätzliche Wahlleistungen können vorkommen. In Deutschland hängt es von GKV/PKV und Praxis ab. Frag ruhig nach, welche Untersuchungen Kassenleistung sind und was optional wäre.

Checkliste: Fragen, die du deiner Ärztin vor der Schwangerschaft stellen kannst

  • Welche meiner Diagnosen sind für eine Schwangerschaft besonders relevant?
  • Welche Medikamente muss ich vorab umstellen oder absetzen?
  • Welche Werte sollten wir vor der Empfängnis kontrollieren?
  • Welche Nahrungsergänzung ist in meinem Fall sinnvoll?
  • Wie oft sollten Kontrollen in der Frühschwangerschaft stattfinden?
  • Brauche ich eine Mitbetreuung (Diabetologie, Kardiologie, Endokrinologie, etc.)?
  • Welche Warnzeichen sollte ich kennen, wenn ich schwanger bin?

Häufige Mythen – und was stattdessen stimmt

„Wenn ich mich gut fühle, ist alles in Ordnung.“

Viele chronische Erkrankungen sind lange symptomarm (z. B. Bluthochdruck, Schilddrüsenunterfunktion). Ein kurzer Check kann hier sehr wertvoll sein.

„Ich setze meine Medikamente lieber ab, um nichts zu riskieren.“

Eigenmächtiges Absetzen kann gefährlich sein. Bei Epilepsie, Depression oder Autoimmunerkrankungen ist Stabilität oft entscheidend. Ziel ist eine sichere Therapie, nicht zwingend „keine Therapie“.

„Über Vorerkrankungen muss ich erst sprechen, wenn ich schwanger bin.“

Gerade die ersten Wochen sind entscheidend – und da wissen viele noch nicht, dass sie schwanger sind. Deshalb ist es klug, Vorerkrankungen vor Schwangerschaft zu besprechen und einen Plan zu haben.

Fazit: Mit guter Planung startest du sicherer – nicht perfekter

Eine gesunde Schwangerschaft beginnt idealerweise nicht erst mit dem ersten Ultraschall, sondern schon vorher: mit einem ehrlichen Blick auf deine Gesundheit, einem Medikamentencheck, sinnvollen Untersuchungen und einem Plan für die ersten Wochen. Ob Schilddrüse, Diabetes, psychische Belastungen, Gerinnung oder gynäkologische Themen – je früher du sie ansprichst, desto mehr Optionen habt ihr.

Wenn du dir nur einen Satz merken willst, dann diesen: Vorerkrankungen vor Schwangerschaft besprechen bedeutet nicht, Probleme zu suchen – sondern Lösungen rechtzeitig zu finden.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wenn du konkrete Diagnosen oder Medikamente hast, besprich deinen Kinderwunsch bitte persönlich mit deiner Ärztin/deinem Arzt oder einer spezialisierten Ambulanz.

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