Kopfschmerzen in den Tagen vor der Periode sind für viele Frauen in Deutschland und Österreich mehr als nur ein „kleines Ziehen“: Sie können den Alltag, die Arbeit und das Familienleben spürbar beeinträchtigen. Dahinter stecken oft hormonelle Schwankungen, Stress, Schlafmangel oder auch Migräne-Mechanismen – und genau deshalb helfen manche Hausmittel, während andere kaum etwas bringen. In diesem Artikel erfährst du, warum Kopfschmerzen vor der Periode auftreten, welche Warnzeichen du ernst nehmen solltest und welche Strategien (von Lebensstil über Ernährung bis zu Medikamenten und ärztlicher Abklärung) wirklich unterstützen können.

Wenn die Tage nahen: Was genau passiert im Körper?

Viele Betroffene merken es schon ein paar Tage vor dem Einsetzen der Blutung: Der Kopf wird schwer, es pocht hinter den Schläfen oder ein dumpfer Druck zieht über Stirn und Nacken. Diese prämenstruellen Kopfschmerzen können als Spannungskopfschmerz auftreten, aber auch als (menstruationsnahe) Migräne. Entscheidend ist: Kurz vor der Periode verändert sich die innere „Chemie“ – und das kann das Schmerzsystem empfindlicher machen.

Im späten Zyklusabschnitt (Lutealphase) sinkt bei vielen Frauen insbesondere der Östrogenspiegel deutlich ab. Östrogen beeinflusst unter anderem:

  • die Schmerzverarbeitung im Gehirn,
  • die Gefäßweite und damit Durchblutung,
  • das Gleichgewicht von Botenstoffen wie Serotonin,
  • Entzündungsprozesse und die Freisetzung von Prostaglandinen.

Wenn dazu Faktoren wie Stress, schlechter Schlaf, Flüssigkeitsmangel oder ein unregelmäßiger Tagesrhythmus kommen, steigt das Risiko, dass sich Beschwerden wie Kopfschmerzen vor der Periode bemerkbar machen – teils stärker als in anderen Zyklusphasen.

Typische Formen: Spannungskopfschmerz oder Migräne?

Damit du die passende Hilfe findest, ist es sinnvoll, den Kopfschmerz-Typ grob einzuordnen. Denn nicht alles, was „nur“ Kopfschmerz heißt, wird gleich behandelt.

Spannungskopfschmerzen: Druck, Ziehen, Nacken beteiligt

Spannungskopfschmerzen fühlen sich häufig so an:

  • beidseitiger Druck oder ein „Band um den Kopf“,
  • oft kombiniert mit Nacken- und Schulterverspannungen,
  • meist keine starke Übelkeit,
  • Bewegung verschlimmert oft nicht deutlich.

Vor der Menstruation können Wassereinlagerungen, Stress und Schlafprobleme Muskeltonus und Schmerzempfinden beeinflussen – das macht Spannungskopfschmerzen wahrscheinlicher.

Menstruationsnahe Migräne: pochend, einseitig, lichtempfindlich

Wenn Kopfschmerzen vor der Periode eher Migräne sind, zeigen sich oft:

  • einseitige, pulsierende/pochende Schmerzen,
  • mittlere bis starke Intensität,
  • Übelkeit, ggf. Erbrechen,
  • Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen, Gerüchen,
  • Verschlechterung bei körperlicher Aktivität.

Viele Betroffene berichten, dass Migräneattacken verlässlich in einem Zeitfenster um die Blutung herum auftreten. Bei einem Teil beginnt die Attacke bereits 1–2 Tage vor dem Einsetzen, bei anderen am ersten oder zweiten Blutungstag. Auslöser ist häufig der schnelle Östrogenabfall. Dieser kann u. a. die Serotoninregulation beeinflussen und das trigeminovaskuläre System „anspringen“ lassen – ein zentraler Mechanismus bei Migräne.

Warum Kopfschmerzen vor der Periode auftreten: die häufigsten Ursachen

Die Gründe sind selten „nur“ hormonell. Oft ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich in der zweiten Zyklushälfte verstärken. Hier die häufigsten Auslöser und Verstärker – mit Blick auf Alltag und Versorgung in Deutschland und Österreich.

1) Hormonelle Schwankungen: Östrogen- und Progesteron-Dynamik

Der Klassiker: Kurz vor der Blutung fällt Östrogen, Progesteron nimmt ebenfalls ab. Östrogen wirkt in vielen Systemen schützend oder stabilisierend. Ein schneller Abfall kann:

  • die Schmerzschwelle senken,
  • Migränemechanismen begünstigen,
  • Schlafqualität beeinflussen,
  • Stimmung und Stressreaktionen verstärken.

Das heißt nicht, dass „Hormone schuld“ sind und man nichts tun kann – im Gegenteil: Gerade weil Hormone Wechselwirkungen mit Schlaf, Stress, Ernährung und Medikamenten haben, gibt es mehrere Ansatzpunkte, die nachweislich helfen.

2) Prostaglandine und Entzündungsprozesse

Vor und während der Menstruation steigt die Aktivität von Prostaglandinen, die u. a. Kontraktionen der Gebärmutter fördern. Hohe Prostaglandinspiegel können nicht nur Krämpfe verstärken, sondern auch:

  • Übelkeit und allgemeines Krankheitsgefühl begünstigen,
  • Schmerzempfindlichkeit erhöhen,
  • bei manchen Frauen Kopfschmerzen triggern.

Das erklärt, warum Medikamente wie Ibuprofen (entzündungshemmend) bei manchen prämenstruellen Beschwerden besser wirken als reine Schmerzmittel ohne entzündungshemmende Komponente.

3) Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt: „Wassereinlagerungen“ und Dehydrierung

Viele Frauen erleben in der zweiten Zyklushälfte Wassereinlagerungen oder ein Gefühl von „Aufgeschwemmtsein“. Gleichzeitig trinken manche unbewusst weniger oder kompensieren Müdigkeit mit Kaffee. Beides kann Kopfschmerzen begünstigen:

  • Dehydrierung kann Kopfschmerz auslösen oder verstärken.
  • Zu viel Koffein oder Koffeinentzug (wenn man plötzlich weniger trinkt) kann Kopfschmerzen provozieren.
  • Ein Ungleichgewicht bei Magnesium oder anderen Mineralstoffen kann Muskelspannung und Migräneanfälligkeit beeinflussen.

In Deutschland und Österreich ist Leitungswasser meist sehr gut geeignet. Wer viel schwitzt oder sportlich aktiv ist, kann zusätzlich auf eine ausreichende Zufuhr von Mineralstoffen achten.

4) Blutzuckerschwankungen und Heißhunger vor der Periode

Prämenstrueller Heißhunger ist weit verbreitet. Wenn Mahlzeiten unregelmäßig sind oder überwiegend aus schnellen Kohlenhydraten bestehen, kann der Blutzucker stark schwanken. Das kann:

  • Unruhe und Reizbarkeit verstärken,
  • die Konzentration senken,
  • Kopfschmerzen begünstigen (vor allem in Kombination mit Stress).

Stabiler Blutzucker ist für viele ein unterschätzter Hebel – nicht nur gegen Kopfschmerzen vor der Periode, sondern auch gegen PMS-typische Stimmungstiefs.

5) Stress, Schlafmangel und „zu viel im Kopf“

Stress ist kein „weicher“ Faktor, sondern verändert messbar die Stresshormone, Muskelspannung, Schlafarchitektur und Schmerzverarbeitung. Kurz vor der Periode sind viele Frauen ohnehin sensibler. Typische Muster:

  • Mehr Grübeln und schlechteres Einschlafen,
  • höhere Muskelspannung im Nacken-Kiefer-Bereich,
  • geringere Toleranz gegenüber Lärm und Reizen.

Gerade in arbeitsintensiven Phasen (Schichtdienst, Pflege, Gastronomie, Büro mit vielen Meetings) oder bei mentaler Belastung (Familienorganisation, Care-Arbeit) kann das die Beschwerden spürbar verstärken.

6) Verhütungsmittel und hormonelle Präparate

Bei manchen verbessern hormonelle Verhütungsmittel zyklusabhängige Beschwerden, bei anderen verschlechtern sie sie. Wichtig ist die Differenzierung:

  • Kombinierte Präparate (Östrogen + Gestagen) können bei empfindlichen Frauen Migräne beeinflussen, besonders in der hormonfreien Pause (Entzugsblutung).
  • Reine Gestagenpräparate wirken anders und können für einige Betroffene besser verträglich sein.

Wenn Kopfschmerzen zeitlich klar mit der Pillenpause oder dem Start/Wechsel eines Präparats zusammenhängen, lohnt sich eine gynäkologische Beratung. In Deutschland/Österreich ist dies typischerweise in der gynäkologischen Praxis gut abklärbar.

Selbstcheck: So erkennst du Muster (und findest die richtigen Hebel)

Bevor du an zig Stellschrauben drehst: Sammle Daten. Ein einfacher Kopfschmerz- und Zyklus-Tracker über 2–3 Monate kann Klarheit bringen.

Was du notieren solltest (5 Minuten pro Tag reichen)

  • Zyklustag und Beginn der Blutung
  • Schmerzart: drückend/ziehend vs. pulsierend/pochend
  • Schmerzstärke (0–10) und Dauer
  • Begleitsymptome: Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Aura, Nacken
  • Schlaf (Dauer/Qualität), Stresslevel
  • Ernährung: Mahlzeiten, Alkohol, Koffein
  • Trinkmenge
  • Medikamente: was, wann, wie gut hat es geholfen?

So erkennst du, ob es primär hormonelle Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Migräne oder ein Mischbild ist – und ob Trigger wie Koffein, Schlafmangel oder lange Essenspausen eine große Rolle spielen.

Was wirklich hilft: Strategien gegen Kopfschmerzen in den Tagen davor

Die beste Therapie ist oft eine Kombination aus akuter Hilfe (wenn der Schmerz da ist) und vorbeugenden Maßnahmen (damit er seltener oder milder wird). Hier kommen praxiserprobte Optionen – mit Fokus auf alltagstaugliche Umsetzung.

Akutmaßnahmen: Soforthilfe, wenn der Kopf bereits schmerzt

1) Trinken, essen, Reizpause: die 20-Minuten-Basis

Bei leichten bis mittelstarken Beschwerden kann eine einfache Reihenfolge überraschend oft helfen:

  • 300–500 ml Wasser (oder ungesüßter Kräutertee)
  • eine kleine, ausgewogene Mahlzeit oder Snack: z. B. Joghurt/Skyr mit Nüssen, Vollkornbrot mit Käse, Banane + Nussmus
  • 20 Minuten Reizpause: abgedunkelter Raum, Handy weg, ruhige Atmung

Warum das wirkt: Du stabilisierst Flüssigkeit und Blutzucker und senkst die Reizüberflutung – drei häufige Verstärker, die gerade vor der Periode leicht zusammenkommen.

2) Wärme oder Kälte – je nach Typ

  • Bei Spannungskopfschmerz: Wärme im Nacken (Wärmflasche, Kirschkernkissen) plus sanftes Dehnen.
  • Bei Migräne: Viele profitieren eher von Kälte (Kühlpad an Stirn/Schläfen) und Dunkelheit.

Teste bewusst, was für dich funktioniert, und notiere es im Tracker.

3) Sanfte Bewegung statt „Zähne zusammenbeißen“

Wenn es kein starker Migräneanfall ist: Ein kurzer Spaziergang, lockeres Radeln oder 10 Minuten Mobility können Spannung aus Nacken und Kiefer nehmen. Wichtig ist eine niedrige Intensität – kein Intervalltraining „gegen den Schmerz“.

4) Medikamente: sinnvoll, aber gezielt

In Deutschland und Österreich sind einige Schmerzmittel frei verkäuflich, z. B. Ibuprofen, Naproxen oder Paracetamol. Was oft gut passt:

  • Ibuprofen/Naproxen: besonders, wenn Entzündung/Prostaglandine eine Rolle spielen (häufig rund um die Blutung).
  • Paracetamol: kann bei manchen helfen, hat aber keine entzündungshemmende Wirkung.

Wichtig: Nimm Schmerzmittel so selten wie möglich und nicht an zu vielen Tagen im Monat, um einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu vermeiden. Bei häufigen Beschwerden (z. B. regelmäßig mehrere Tage pro Zyklus) ist ärztliche Beratung sinnvoll, statt dauerhaft „durchzuschlucken“.

Bei Migräne können spezifische Migränemedikamente (z. B. Triptane) ärztlich verordnet werden und deutlich wirksamer sein als unspezifische Schmerzmittel – besonders, wenn sie früh in der Attacke eingesetzt werden.

Vorbeugung: So werden Kopfschmerzen vor der Periode seltener

1) Schlaf stabilisieren (der unterschätzte Gamechanger)

Schon 30–60 Minuten weniger Schlaf in der sensiblen Zyklusphase können Kopfschmerz und Stimmung kippen. Ziel ist nicht Perfektion, sondern Regelmäßigkeit:

  • möglichst konstante Schlafenszeiten (auch am Wochenende)
  • abends Licht reduzieren, Bildschirmzeit begrenzen
  • spätes, schweres Essen meiden, wenn es deinen Schlaf stört
  • bei Grübeln: „Brain Dump“ (5 Minuten alles aufschreiben), dann erst ins Bett

Wenn du in Schichtarbeit bist (in Deutschland/Österreich sehr häufig im Gesundheitswesen): Plane in der prämenstruellen Zeit bewusst mehr Regeneration ein, wenn möglich.

2) Magnesium: häufig sinnvoll, aber richtig dosieren

Magnesium wird häufig bei zyklusbezogenen Beschwerden genutzt. Es kann Muskelspannung beeinflussen und wird auch im Migräne-Kontext eingesetzt. Viele vertragen Magnesium gut, manche bekommen bei zu hoher Dosis Durchfall.

  • Praktisch ist eine tägliche Einnahme über mehrere Wochen, statt nur „wenn es weh tut“.
  • Magnesiumcitrat oder -glycinat wird oft gut aufgenommen (Verträglichkeit ist individuell).

Wenn du unsicher bist (z. B. bei Nierenerkrankungen, Schwangerschaft oder gleichzeitigen Medikamenten), kläre die Einnahme medizinisch ab.

3) Ernährung: blutzuckerstabil und entzündungsarm

Du brauchst keine strikte Diät. Oft reichen 3 einfache Prinzipien, um Kopfschmerzen in der PMS-Zeit zu reduzieren:

  • Protein + Ballaststoffe in jeder Hauptmahlzeit (z. B. Hülsenfrüchte, Fisch, Eier, Quark, Tofu, Vollkorn).
  • Regelmäßige Mahlzeiten, um „Crashs“ zu vermeiden.
  • Salz, Alkohol und stark verarbeitete Lebensmittel in den letzten 3–5 Tagen vor der Periode reduzieren, wenn du zu Wassereinlagerungen neigst.

Alltagsbeispiele (typisch D/A):

  • Frühstück: Vollkornbrot mit Hüttenkäse + Gurke oder Porridge mit Nüssen
  • Mittag: Linsensalat, Gemüsepfanne mit Tofu oder Fisch mit Kartoffeln
  • Snack: Naturjoghurt/Skyr, Handvoll Nüsse, Apfel

4) Koffein bewusst steuern (nicht verteufeln)

Koffein kann bei manchen Kopfschmerzformen kurzfristig helfen, bei anderen wirkt es wie ein Trigger – besonders, wenn die Menge täglich stark schwankt. Eine alltagstaugliche Strategie:

  • Bleib bei einer konstanten Menge (z. B. 1–2 Kaffee/Tag).
  • Vermeide starken Konsum am Nachmittag, wenn dein Schlaf leidet.
  • Wenn du reduzieren willst: langsam ausschleichen, nicht abrupt.

5) Bewegung & Krafttraining: langfristig schmerzlindernd

Regelmäßige Bewegung verbessert Stressregulation, Schlaf und Muskelbalance – drei zentrale Hebel bei zyklusassoziierten Kopfschmerzen. Besonders hilfreich:

  • 2–3×/Woche Krafttraining (moderate Intensität)
  • 1–2×/Woche Ausdauer (z. B. zügiges Gehen, Radfahren)
  • täglich 5–10 Minuten Nacken-/Brustwirbelsäulen-Mobilität

Wenn du kurz vor der Periode empfindlicher bist, plane in dieser Phase eher leichtere Einheiten ein.

6) Stressmanagement, das realistisch ist

„Stress reduzieren“ klingt leicht, ist aber oft unrealistisch. Was häufig funktioniert, sind kleine, wiederholbare Mikro-Interventionen:

  • 2-Minuten-Atmung (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus) vor Meetings oder nach dem Heimkommen
  • kurze „Entlastungsroutine“: Tasche abstellen, Wasser trinken, 10 tiefe Atemzüge
  • Grenzen setzen: in der PMS-Zeit bewusst weniger Abendtermine, wenn möglich

Das Ziel ist, das Nervensystem nicht dauerhaft auf „Alarm“ zu lassen – denn dann reagiert es schneller mit Schmerzen.

Wenn es Migräne ist: gezielte Optionen rund um die Blutung

Wenn du den Verdacht hast, dass es sich um menstruationsassoziierte Migräne handelt, lohnt sich eine spezifischere Strategie. Viele Frauen erleben Attacken in einem engen Zeitfenster, was auch eine zeitlich begrenzte Vorbeugung ermöglicht.

Kurzzeitprophylaxe („Mini-Prophylaxe“) in Absprache mit Ärztin/Arzt

Bei regelmäßig wiederkehrenden Attacken rund um die Periode kann ärztlich besprochen werden, ob eine Kurzzeitprophylaxe sinnvoll ist. Je nach individueller Situation kommen u. a. infrage:

  • ein entzündungshemmendes Schmerzmittel über wenige Tage,
  • ein Migränemedikament nach Plan,
  • hormonelle Strategien (z. B. Anpassung der Verhütung), wenn passend.

Welche Option geeignet ist, hängt stark von deinem Migränetyp, Begleiterkrankungen und Risikofaktoren ab (z. B. Rauchen, Blutdruck, Aura).

Migräne mit Aura: besondere Vorsicht bei Östrogen

Wenn du Migräne mit Aura hast (z. B. Sehstörungen, Flimmern, Taubheitsgefühle), ist das ein wichtiges Detail für die Wahl der Verhütung und ggf. für hormonelle Therapien. Sprich das in der gynäkologischen Praxis offen an.

Hausmittel & Naturheilkunde: was ist sinnvoll, was eher Mythos?

Viele suchen zunächst nach Hausmitteln – verständlich. Einige Ansätze sind tatsächlich sinnvoll, andere bringen vor allem kurzfristig ein gutes Gefühl, ohne die Ursache zu adressieren.

Sinnvolle, risikoarme Hausmittel

  • Pfefferminzöl (äußerlich auf Schläfen/Stirn, Augen aussparen): kann bei Spannungskopfschmerz subjektiv lindern.
  • Ingwertee: wird teils bei Übelkeit genutzt und kann bei Migränebegleitsymptomen angenehm sein.
  • Magnesium: siehe oben, eher als regelmäßige Maßnahme.
  • Entspannungsübungen (Progressive Muskelentspannung, Body Scan): wirken besonders, wenn Stress ein Treiber ist.

Mit Vorsicht oder begrenzter Evidenz

  • „Detox“ oder extreme Diäten: können Blutzucker destabilisieren und Kopfschmerz eher verstärken.
  • Sehr hohe Koffeindosen: kurzfristig manchmal hilfreich, langfristig riskant wegen Abhängigkeit/Entzugskopfschmerz.
  • Beliebige Nahrungsergänzungsmittel ohne Plan: teuer und oft ohne klaren Nutzen. Besser gezielt auswählen.

Wann solltest du medizinisch abklären lassen?

Kopfschmerzen vor der Periode sind häufig und meist gut behandelbar. Es gibt aber Situationen, in denen du nicht „abwarten“ solltest.

Warnzeichen (bitte zeitnah ärztlich klären)

  • plötzlicher, sehr starker „Donnerschlag“-Kopfschmerz
  • neu auftretende neurologische Symptome (Lähmungen, Sprachstörungen, anhaltende Sehstörungen)
  • Fieber, Nackensteife, starker Krankheitszustand
  • Kopfschmerzen nach Kopfverletzung
  • zunehmende Häufigkeit/Intensität über Wochen

Abklärung ist sinnvoll, wenn…

  • du an mehreren Tagen pro Monat Schmerzmittel brauchst,
  • die Beschwerden dich regelmäßig arbeitsunfähig machen,
  • du den Verdacht auf Migräne hast (insbesondere mit Aura),
  • du hormonell verhütest und einen zeitlichen Zusammenhang bemerkst,
  • zusätzlich starke PMS/PMDS-Symptome bestehen (z. B. depressive Verstimmung, starke Reizbarkeit).

In Deutschland und Österreich kannst du je nach Situation zuerst zur Hausärztin/zum Hausarzt, in die gynäkologische Praxis oder (bei Verdacht auf Migräne) auch zur Neurologie. Ein Kopfschmerztagebuch ist dabei extrem hilfreich.

Praktischer 7-Tage-Plan vor der Periode (alltagstauglich)

Wenn du häufig Kopfschmerzen in den Tagen davor hast, kann eine kleine „prämenstruelle Routine“ helfen. Hier ein Beispiel, das du an deinen Zyklus anpassen kannst:

Tag -7 bis -5

  • Schlaf priorisieren: feste Zubettgehzeit
  • 2–3 ausgewogene Mahlzeiten + 1 Snack, keine langen Fastenphasen
  • Bewegung moderat: 1 Kraft- oder Ausdauertraining

Tag -4 bis -2

  • Trinkmenge aktiv im Blick (z. B. 1,5–2 Liter, individuell)
  • Koffein konstant halten, Alkohol reduzieren
  • täglich 10 Minuten Nacken-/Schulter-Mobilität
  • Stresspuffer einbauen (15–30 Minuten freie Zeit)

Tag -1 bis Tag 1

  • Reizmanagement: Pausen, weniger Bildschirm, ggf. abgedunkelter Raum
  • Wärme/Kälte je nach Kopfschmerztyp
  • Bei bekannten starken Attacken: Akutmedikation nach Plan (ärztlich abgesprochen)

Häufige Fragen (FAQ)

Ist es normal, dass Kopfschmerzen schon mehrere Tage vor der Blutung beginnen?

Ja, das kann vorkommen. Gerade der hormonelle Umbruch in der späten Lutealphase kann schon vor dem eigentlichen Beginn der Blutung Beschwerden auslösen. Wenn es dich stark einschränkt oder häufiger wird, lohnt sich eine Abklärung.

Warum helfen mir Ibuprofen und Naproxen oft besser als Paracetamol?

Viele zyklusbezogene Beschwerden hängen auch mit Prostaglandinen zusammen. Ibuprofen und Naproxen wirken zusätzlich entzündungshemmend, was bei manchen Frauen rund um die Periode effektiver ist.

Kann die Pille Kopfschmerzen rund um die Periode verstärken?

Ja, insbesondere die hormonfreie Pause kann bei empfindlichen Frauen einen „Hormonentzug“ triggern, der migräneähnliche Beschwerden begünstigt. Ein Gespräch in der gynäkologischen Praxis kann klären, ob ein anderes Schema oder Präparat besser passt.

Welche Rolle spielt Magnesium wirklich?

Magnesium ist kein Wundermittel, kann aber bei einigen Frauen Muskelspannung und Migräneanfälligkeit positiv beeinflussen – vor allem, wenn es regelmäßig über Wochen eingesetzt wird. Die Verträglichkeit ist individuell.

Fazit: Was du dir mitnehmen solltest

Kopfschmerzen vor der Periode sind häufig – und sie sind real. Meist entstehen sie aus einem Zusammenspiel von Hormonschwankungen, Prostaglandinen, Schlaf, Stress, Flüssigkeits- und Blutzuckerhaushalt. Der beste Ansatz ist daher selten „das eine Mittel“, sondern eine kluge Kombination aus Tracken, Vorbeugen und gezielter Akuthilfe.

  • Ordne deinen Kopfschmerz grob ein (Spannung vs. Migräne).
  • Stabilisiere Schlaf, Trinken und Mahlzeiten in der Woche vor der Periode.
  • Nutze Wärme/Kälte und sanfte Bewegung passend zum Typ.
  • Setze Medikamente bewusst ein und hol dir Hilfe, wenn es häufig wird.

Wenn du möchtest, kann ich dir aus deinen Symptomen (Dauer, Begleitsymptome, Zyklusmuster) auch eine strukturierte Checkliste erstellen, die du zur Ärztin/zum Arzt mitnehmen kannst.

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